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Die älteste Pfarrkirche Nürnbergs: St. Sebald

Foto St. Sebald WestseiteSt. Sebald Westseite.
Heute steht die Sebalduskirche unterhalb der Nürnberger Burg etwas im Schatten ihrer jüngeren Schwester: Die Lorenzkirche steht mitten im Geschäftsviertel und hat sogar eine eigene U-Bahn- Station. Jahrhundertelang war das anders. Da hatte die älteste Pfarrkirche Nürnberg im städtischen Leben den Vorrang. Als der Schriftsteller Ernst Moritz Arndt im Jahr 1798 die Kirche des Stadtpatrons besuchte, hinterließ sie bei ihm „tiefe Ehrfurcht und einen heiligen Schauder". St. Sebald machte auf ihn „so einen rührenden Eindruck, als ich ihn in keiner anderen Kirche je empfunden habe". Wer sich heute auf den Weg durch St. Sebald macht, findet Gegensätzliches: Von den romanischen Pfeilern und Mauern im Westen der Kirche geht das Gefühl von Sicherheit aus, während der gotische Ostchor Offenheit und Großzügigkeit vermittelt. Jede Generation hat in den etwa 750 Jahren ihre Spuren hinterlassen, endgültig fertig ist die Kirche nie. Nach den romanischen Bau des 13. Jahrhunderts folgten im 14. Jahrhundert die gotischen Seitenschiffe, Portale und die ersten Figuren. Zwischen 1361 und 1379 wuchs der Hallenchor im Osten, um einmal das Grab des Stadtheiligen zu umgeben. Bis heute setzen sich Restaurierungen und die Beseitigung von Kriegsschäden fort.

Foto St. Sebald KirchenschiffSt. Sebald Kirchenschiff.
Den Kirchenpatron Sebaldus umgibt ein Geheimnis - über sein Leben ist praktisch nichts bekannt. Vielleicht war er ein frommer Einsiedler, der im 11. Jahrhundert in den Wäldern rund um Nürnberg gelebt hat. Aber sein Grab zog von Anfang an Menschen an, die dort Wunder erlebten. Das weithin unbekannte Leben des Wohltäters bot Raum für Legenden, die in ihm einen Apostel der Franken, einen Dänenprinz, einen sozialkritischen Volkshelden und manches andere fanden. Einiges davon haben der Nürnberger Erzgießer Peter Vischer d.Ä. und seine Söhne Peter und Hermann an dem Grabmal dargestellt, das sie von 1508 bis 1519 in Messing gegossen haben. Im Westen des Grabs begegnet uns Sebaldus als einfacher Pilger. Ganz im Gegensatz dazu steht der Reichtum des Grabs: Neben Aposteln und Propheten bevölkern Fabelwesen und Gestalten aus der antiken Sagenwelt mit rund 100 Putten und etlichen Tieren - vom Frosch bis zu Löwen - das Grab. Die Nürnberger Patrizier wollten Sebald ein Grab verschaffen, das ihrem Schutzherrn ein unvergleichliches Denkmal setzen und die Massen anziehen sollte. Heute kommen pro Jahr etwa 400 000 Menschen in die Kirche, um das Sebaldusgrab und die Werke von Albrecht Dürer, Veit Stoß, Adam Kraft und anderen Künstlern zu sehen, Gottesdienste zu feiern und Konzerte zu besuchen. Die Kirchengemeinde erschließt mit eigenen regelmäßigen Führungen ihre Kirche als einen Ort, an dem seit 750 Jahren lebendiger Glaube praktiziert wird.

Autor: Axel Töllner, Bilder: Archiv St. Sebald
Weitere Informationen: www.sebalduskirche.de

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