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Hauszeichen

Foto Nassauer HausNassauer Haus
Die Nürnberger Stadtmauer umschloss dereinst ein Meer von über dreitausend alten Häusern, die fast allesamt eher zurückhaltend geschmückt waren. Von Dacherkern oder Chörlein abgesehen, fand sich kaum Schnitzwerk oder anderes Ornament an den Fassaden.

Eine Ausnahme bildeten die zahlreichen Hauszeichen: Es gab kaum einen Flecken in der Stadt, an dem der Blick nicht an einer Hausfigur hängen blieb, einen Heiligen traf oder eine gemeißelte Kartusche erspähte. Die Hauszeichen waren die Hausnummern des alten Nürnberg. Früher suchte man beispielsweise kein Haus "Bergstraße 30", man fragte vielmehr nach dem "Weißen Schwänlein", einfach, weil ein weißer Schwan die Fassade schmückte. Den Altstadtfreunden ist es zu verdanken, dass man heute wieder einen guten Teil dieser alten Hauszeichen in der Altstadt findet. Ob der Heilige Egidius (in der Weißgerbergasse 26), das Lamm in der gleichnamigen Gasse Hausnummer 14 oder die beiden Greife in der Burgstraße 8. Zwei der erst kürzlich wiederhergestellten Beispiele finden sich an den Häusern Färberstraße 17 und Karolinenstraße 2, also am so genannten Nassauer Haus.

Foto Barockhaus FärberstraßeBarockhaus Färberstraße
Am Barockhaus Färberstraße 17 befinden sich gleich zwei Kartuschen übereinander. Während die untere als ein eher schlichtes Relief an einen Umbau des Hauses unter dem Besitzer Georg Paul Forster 1749 erinnert, ist das darüber liegende Hauszeichen von 1680 eines der qualitätsvollsten seiner Art in Nürnberg. Aus einem feinkörnigen Sandstein ist eine reiche Umrahmung aus Rollwerk und Laubornamenten herausgearbeitet, die das barocke Formgefühl deutlich vor Augen führt. Inmitten dieses Rahmens ließ der damalige Besitzer, der Bäckermeister Hans Schleicher über der Jahreszahl 1680 seine Initialen anbringen und ins Zentrum eine gekrönte Breze als Zeichen seines Berufes setzen. Es handelt sich hier also um eines der gar nicht so seltenen Beispiele, dass ein Hauszeichen gleichzeitig als "Firmenschild" diente. Hauszeichen waren aber nicht nur Reliefs oder aufgemalte Bilder, auch Eckfiguren konnten als charakteristisches Erkennungsmerkmal dienen. Ein Haus, welches an sich schon markant genug ist, aber dennoch nicht auf eine Hausfigur verzichten möchte, ist das Nassauer Haus. Als Eckfigur sehen wir hier einen knienden Engel auf einer profilierten Konsole, der von einem steinernen Baldachin geschützt wird. Entstanden vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wurde die Figur, die starke Verwitterungsschäden aufwies, 1898 durch eine Kopie ersetzt. Seitdem kniet der betende Engel auf den Wappen des damaligen Administrators Kreß von Kressenstein und dessen Gattin, einer Alberti de Poja.

Bei der verheerenden Zerstörung des Hauses durch die Bomben von 1945 wurde neben dem Baldachin auch die obere Hälfte des Engels zerstört, der bei dem herausragenden Aufbau des Hauses bis 1967 keine Wiederherstellung mehr fand. So blieb es auch hier, ebenso wie in der Färberstraße 17 den Altstadtfreunden überlassen, die Zerstörungen und Schäden gut 60 Jahre nach Kriegsende zu beheben.

Harald Pollmann, Bilderquelle: Altstadtfreunde

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