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Die Frauenkirche

Foto Frauenkirche und Schöner BrunnenFrauenkirche und Schöner Brunnen
Gestiftet von Kaiser Karl IV, erbaut 1352-1361 als spätgotische Hallenkirche auf den Mauern der zerstörten Synagoge

Klein, aber fein, wurde die Frauenkirche oft "das Schatzkästlein des Hl. Römischen Reichs deutscher Nation" genannt. Die Inschrift eines bis 1878 bezeugten Freskos verweist darauf, dass in dieser Kirche das "wirdig Heiligtum des Kaisers" liegen sollte. Deshalb hat man angenommen, dass die auffällig quadratische Form des Kirchenschiffes und die Besonderheit eines Kirchenbalkons mit dem Plan zu tun hatten, hier die Reichskleinodien aufzubewahren und auch vorzuzeigen.

Tatsächlich hat die Frauenkirche diesen Schatz aber nur ein einziges Mal gesehen: Als Kaiser Karl IV anlässlich der Taufe seines Sohnes in Nürnberg weilte, wurde eine Heiltumsweisung, - das feierliche Vorführen der einzelnen Reliquien und Prunkstücke vor dem Volk - vom Balkon der Frauenkirche aus vollzogen. Für den dauerhaften Verbleib des Reichsschatzes wählte Karl IV schließlich mit der Kapelle auf der Karlsburg bei Prag einen sichereren Ort. Der Frauenkirche aber ist aus diesen kaiserlichen Tagen ihre eigentümliche Würfelform geblieben, durch die man sich hier so unwahrscheinlich geborgen fühlt. Und natürlich der Balkon, den die ganze Welt kennt, seit das Christkindl von dort seine Eröffnungsworte spricht.

Ein unbekannter Raum…

…ist den meisten wahrscheinlich die Sakristeikapelle im ersten Stock der Frauenkirche, eine kleine Werktagskapelle, die mit einer wunderbaren, modernen Darstellung des brennenden Dornbusches in Glas lockt. An Sonnentagen fällt feuerleuchtendes Licht durch die Schmuckfenster auf eine mittelalterliche Madonna und der in die Flammen geschriebene Jahwe-Gottesname wirft sein "Ich-bin-da" in den Raum. Neugierige sollten ihn sich bei einer Führung oder nach einem Gottesdienst zeigen lassen.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Eine rare Darstellung findet man als Schlussstein im Altarraum (leider nur bei Führungen zu betreten): Jesu Schulgang. Jesus wird da von einer Frau mit Rute, die meist als die Lehrerin Grammatica gedeutet wird, am Handgelenk geführt. Ein kleiner, weißgekleideter Bub mit Schulranzen und Schutzengel über sich, der nicht gerade begeistert wirkt - eine Szene, die zwar nicht biblisch überliefert ist, aber durchaus nahe liegt für einen jüdischen Jungen, der in der Synagoge das Lesen und Schreiben lernt.

Von der Terrasse zum Balkon

Adam Kraft, den Meister der Bildhauerei in Stein, kennt ein jeder Nürnberger - aber Adam Kraft als Baumeister, der Terrassen in Balkone umwandelte? So geschehen an der Frauenkirche 1508 als sein letztes Lebenswerk - der Michaelschor, der kleine Raum hinter dem Balkon, der das Uhrwerk des Männleinlaufens trägt - neu in die Fassade eingefügt wurde. Dadurch wurde der ehemals terrassenförmige Vorbau zum schmalen Balkon verkleinert. Der farblich leicht abweichende Sandstein verrät noch den Umbau, aber ansonsten ist dieser so harmonisch eingefügt, dass er keinem Menschen auffallen würde, oder?

Gerüchte sind hartnäckig

Und eines heißt: Der schöne Brunnen am Hauptmarkt sei die Kirchturmspitze der Frauenkirche, die zunächst aufwendig gestaltet wurde und dann mangels geeigneter Transporttechnik nie ihren vorgesehenen Platz einnehmen konnte. Nein, Schilda liegt woanders! Der Brunnen wurde wirklich nur als ungewöhnlich schmucker Rahmen für eine profane Wasserleitung gebaut, ca. 30- 40 Jahre nach der Frauenkirche und die Frauenkirche war als Kaiserliche Kapelle ohne größeren Glockenturm konzipiert! Basis des Gerüchtes aber ist, dass der Schöne Brunnen mit seinen reinen gotischen Formen wirklich perfekt mit der Frauenkirche harmoniert und die Figuren ebenso wie die der Kirchenvorhalle von den Figuren Peter Parlers, Baumeister des Prager Doms, beeinflusst sind.

Und heute?

Zu den Gottesdiensten kommt eine Gemeinde zusammen, die sich nicht nur aus Christen des eigenen Pfarrsprengels, sondern mindestens in gleicher Zahl auch von ferneren, sich zugehörig Fühlenden und natürlich den Touristen zusammensetzt. Wer nicht auffallen will, kommt zum Gottesdienst in die Frauenkirche, wer Kontakt sucht, kommt im Anschluss zum einfachen Mittagessen in die Kutscherstube mit. Wer tiefer in Kontakt mit seinem Glauben kommen will, besucht Exerzitien im Alltag oder andere Veranstaltungen, die im Verbund mit St. Elisabeth angeboten werden. Für Kinder gibt es übrigens jeden Sonntag parallel zur 10 Uhr Messe einen Kindergottesdienst.

Erika Schwarzer

Gottesdienstzeiten:

Samstag: 18.30
Sonntag: 10.00, 11.30, 19.00

Kirchenführungen:

März/April: Samstag 12.10 und Sonntag 15.00
Mai-Sept.: jeden Werktag 12.10 und Sonntag 15.00
Juni-August zusätzlich: Freitag 20.30 Thematische Führung mit Orgelmusik

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